16.07.2011

einfach... SEIN!

Schon in früheren Zeiten entwickelten die Chinesen, die sich mit dem Tao beschäftigten, vielerlei Methoden, um den inneren Energiefluss zu verbessern, Krankheiten zu heilen, das Leben zu verlängern... Dazu gehören solche Übungen wie Tai Chi und Qi Gong oder Lehren wie Feng Shui, die auch heute noch bekannt sind und angewendet werden. Daneben gab es die Alchimie, mit der lebensverlängernde Wirkungen bis hin zur Unsterblichkeit erzielt werden sollte. Oft wurde damit das Gegenteil erreicht, weil manche der Stoffe, die man dafür einnahm, giftig waren. Später ging man zu einer "inneren Alchimie" über, die auf vielerlei geistige, vorwiegend meditative Weisen den Energiefluss verbessern sollte. Zusätzlich zu all den überlieferten werden heute neue Methoden entwickelt bzw. erfunden - zur Heilung, für persönlichen und beruflichen Erfolg, für ein besseres Umfeld usw.



Wer mag, kann all diese Methoden ausprobieren und schauen, was sie bringen. Aber wir sollten uns darüber im Klaren sein: sie sind von Menschen erdacht, als Hilfsmittel für Menschen, als nützliche Fahrzeuge für unser Vorankommen. Für das Tao selbst sind sie nicht wichtig, das Tao wirkt auch ohne sie, immer und überall, raum- und zeitunabhängig. Und tief in unserem Inneren sind wir immer mit dem Tao in Verbindung - denn wir sind ja das Tao. Alles-was-ist ist in uns, jetzt und immer, egal wo wir uns im dreidimensionalen Raum befinden.

Hier auf TAO.leben wird darum keine dieser Methoden vorgestellt oder speziell empfohlen. Hier geht es einzig und allein darum, uns im Alltag in jedem Augenblick mit dem Tao zu verbinden - einfach... zu SEIN. Und das geht "einfach" dadurch, dass wir unseren Verstand, wann immer es geht, eine Weile ruhen lassen, im Hier und Jetzt. Die bewussten Gedanken versiegen, Stille kehrt ein, die Aufmerksamkeit weitet sich immer mehr aus auf das Ganze, das uns umgibt und das in uns ist. Wir fühlen immer mehr das JETZT, anstatt uns von unseren Gedanken hinweg treiben zu lassen in die Vergangenheit oder in die Zukunft. Und so beginnen wir, die Ganzheit zu fühlen, die pulsierende Energie, die alles erschafft und in ständigem Wandel SEIN lässt. Wir schauen uns um, nehmen alles wahr, ohne es zu benennen, zu analysieren oder zu bewerten. Oder, wenn wir mit einer Tätigkeit beschäftigt sind, konzentrieren wir uns ganz darauf, was wir gerade tun. "Tue, was du tust", wie man im Zen auch sagt. Wenn wir bei unserer Tätigkeit denken müssen, dann tun wir das, soweit es erforderlich ist, um es richtig und gut zu machen. Aber wir tun das, ohne uns durch andere Gedanken, innere Monologe oder Grübeleien ablenken zu lassen, die nichts mit der Sache zu tun haben. Dann sind wir im Fluss des Tao.

Vielleicht breitet sich in uns ein besonderes Gefühl aus, wenn wir im JETZT sind - eine Energie, die jede Körperzelle durchfließt. Lassen wir es einfach geschehen. Wenn es nachlässt oder wir uns nach einer Phase der Ruhe wieder mit dem Verstand bestimmten Dingen oder Ereignissen zuwenden, ist es in Ordnung. Der Alltag soll ja nicht ausgeblendet oder überdeckt, sondern (im Gegenteil) intensiv erlebt werden, so wie er ist. Und es soll auch nicht darum gehen, solche angenehmen Gefühle festzuhalten oder sie gar durch Gedanken reproduzieren zu wollen. Sie kommen und gehen von selbst - im Fluss des Tao. Würden wir sie festhalten, wären sie irgendwann schal und nicht mehr wirklich lebendig - wie Wasser, wenn wir es mit einem Gefäß aus dem Fluss schöpfen und zu lange aufbewahren würden. Das SEIN ist eine unendliche Bewegung. Und es ist ständiger Wandel - wie Tag und Nacht, Sommer und Winter, gut und schlecht, Yin und Yang. Nicht festhalten, nicht bewerten - einfach... SEIN.

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